In der Praxis zeigt sich jedoch oft,
dass viele Reaktionen automatisch ablaufen:
Ein inneres Programm wird aktiviert,
das sich über Jahre oder Inkarnationen hinweg stabilisiert hat,
weil es damals Sicherheit und Schutz ermöglicht hat.
Da solche Muster schon lange bestehen,
werden sie oft als „normal“ empfunden –
kennst du den Gedanken: „So bin ich eben.“
Das Nervensystem orientiert sich in belastenden Momenten nicht daran,
was in der heutigen aktuellen Situation objektiv sinnvoll wäre,
sondern automatisch an dem, was sich früher sicher angefühlt hat
und von deinem Unterbewusstsein als Schutzstrategie gespeichert wurde.
Dadurch kann es passieren,
dass Menschen in aktuellen, neuen Situationen
alte Reaktionsmuster zeigen – selbst dann,
wenn sie sich bewusst etwas anderes wünschen.
So entsteht der Eindruck, man habe frei entschieden –
obwohl tatsächlich ein unbewusstes Schutzmuster
die Führung übernommen hat.
Dieses innere System hat gelernt,
auf seine Weise Sicherheit herzustellen –
oft lange bevor wir bewusst verstehen konnten,
wie und warum bestimmte
Muster entstanden sind.
Bewusstsein beginnt dort, wo wir das erkennen.
Denn dann entsteht ein neuer Raum –
Unser Start ins Leben ist meist nicht besonders sanft. Denn sogar bei einer „sanften Geburt“ bedeutet das Verlassen der Ur-Geborgenheit im Fruchtwasser Stress für das System.
Viele Eltern konnten keine stabile Liebe geben – nicht unbedingt aus böser Absicht, sondern weil sie es selbst nicht gelernt hatten oder emotional überfordert waren. Oft fühlte sich das Kind „zu viel“, wenn es traurig, wütend oder ängstlich war.
Diese Gefühle wurden dann von Erwachsenen bestraft oder ignoriert. Das kleine Kind erlebte dadurch Todesangst oder zumindest tiefe Schutzlosigkeit – und entwickelte Strategien, um diese Situation zu überstehen.
Es wurde wütend, es versteckte sich (totstellen), es verteidigte sich.
Es gibt viele Strategien des Inneren Kindes.
Fight (Kampf): wütend werden, angreifen, lauter werden, dominieren
Flucht: weggehen, ausweichen, Thema wechseln, „abhauen“
Freeze (Erstarren): blockieren, innerlich abschalten, wie gelähmt sein
Totstellen / Abtauchen: Rückzug, nicht mehr reagieren, sich unsichtbar machen
Anpassen / gefallen wollen: nett sein, lächeln, „brav“ sein, harmoniebedürftig
Über-Erklären / Rechtfertigen: dauernd erklären, beweisen, argumentieren
Kontrolle: alles kontrollieren wollen, planen, festhalten, misstrauen
Perfektionismus: alles richtig machen, Angst vor Fehlern
People-Pleasing: anderen alles recht machen, eigene Bedürfnisse verdrängen
Schuld übernehmen: sich für alles verantwortlich fühlen
Vermeidung: schwierige Gespräche vermeiden, Konflikte aussitzen
Rückzug / emotionaler Abstand: nicht fühlen, nicht öffnen, keine Nähe zulassen
Überanpassung: eigene Meinung nicht zeigen, klein machen
Selbstabwertung: „Ich bin schuld“, „ich bin falsch“, „ich bin nicht genug“
Ironie / Spott / Zynismus: Gefühle überspielen, verletzen bevor man verletzt wird
Klammern / Verschmelzen: Angst vor Alleinsein, starke Verlustangst
Flucht in Leistung: für zwei arbeiten, Druck, funktionieren
Flucht in Essen / Sucht / Ablenkung: um Gefühle nicht zu spüren
Überfürsorglichkeit: andere retten, kümmern, die eigenen Themen vergessen
Stille / Schweigen: nicht sagen, was man braucht, nichts fordern
Inneres Wegtreten: „nicht ganz da sein“, dissoziieren, sich leer fühlen
(Wenn du willst, ordne ich sie dir noch schöner nach Fight/Flight/Freeze/Fawn.)
Wichtig zu wissen ist: Wenn du als Erwachsener in Situationen kommst, die an frühere Kindheitsgefühle erinnern, greift dein System oft automatisch auf die Strategie zurück, die du als Kind gelernt hast.
Dieser Automatismus ist sofort da – du merkst ihn kaum, weil du dich schon so lange damit identifizierst.
Versuche mal, dich zu beobachten, wenn du in eine Streitsituation gerätst. Es ist unheimlich schwer zu erkennen, wann das Innere Kind die Kontrolle übernimmt.
Obwohl heute ganz andere Menschen vor dir stehen und gerade mit dir in einem Konflikt sind, siehst du sie innerlich oft gar nicht wirklich. Unterbewusst stehst du vielleicht noch als kleines Kind vor deinem cholerischen Vater – und reagierst mit deinem alten Überlebensprogramm: Fight, Flight, Freeze.
Du gibst den Menschen heute (und dir) damit keine Chance, dass Entwicklung stattfinden kann, wenn sofort das innere Kind übernimmt. Dieses alte Programm wirkt wie eine Mauer – durch die man nicht zu dir durchdringen kann.
Wenn du die Strategie deines Inneren Kindes erkennst, kannst du diesen Automatismus Schritt für Schritt unterbrechen – und die Menschen in deinem Umfeld und ihre Bedürfnisse vielleicht zum ersten Mal wirklich wahrnehmen. So wird Entwicklung z. B. mit dem Lebenspartner überhaupt erst möglich.
Oft wird geraten, dein inneres Kind zu visualisieren und es zu lieben. Du kannst das gerne tun – wenn es sich gut anfühlt. Viele Menschen erleben dadurch Trost.
Aber: Für manche reicht das nicht aus, um tief eingeprägte Muster wirklich zu verändern. Manchmal stabilisiert es sogar unbewusst die Bindung an den Schmerz, weil man immer wieder in die Vergangenheit hineingeht.
Es gibt Techniken, mit denen man dem inneren Kind zeigt, dass heute eine andere Zeit ist:
Dass du groß bist, dass du dich schützen kannst, dass du wählen kannst. Das kann sehr entlastend sein.
Ich begleite dich dabei, an deine alten Wunden heranzugehen und sie mit kurzen, wirksamen Methoden energetisch und emotional zu bearbeiten – so, dass du sie auch zuhause selbst weiter anwenden kannst.
Ziel ist, dass du das innere Kind Schritt für Schritt loslassen kannst und in belastenden Situationen immer mehr bei dir bleibst – ohne dich im alten Schmerz zu verlieren.
Dabei musst du dich nicht stundenlang im alten Leid aufhalten. Es gibt sanfte Wege, die Vergangenheit zu klären und im Heute neue Sicherheit aufzubauen.